Dienstag, 30. März 2010

Der Drehplan - so funktioniert(e) das...!

Kaum zu glauben... ich hab bis jetzt den Drehplan einbehalten ;-) Für alle Betroffenen natürlich interessant zu wissen, wie das funktioniert. Also hier gibt´s den Drehplan für die Prozedur:

Jeder "Strut" ist ein Teleskopstab bzw. Schraube, die nach diesem Plan Tag für Tag Millimeter für Millimeter weitergedreht wurde. Nicht immer jede, da ich keine reine symmetrische Korrektur bzw. Verlängerung hatte, sondern auch mein Knie hinausgedreht wurde und die Rotationsachse um ein paar Grad begradigt wurde. Die roten Striche und Zahlen bedeuten Drehpausen.

Dieses Dokument werde ich mir jedenfalls einrahmen und dann hoffentlich nie vergessen, wie viel Mut ich dafür gebraucht habe :-)


Hier sind die Struts mit der Millimeter-Skala nochmal zu sehen. 6 Wochen vor der Abnahme wurden die dann gegen "normale" Schrauben ersetzt (wie berichtet).

Montag, 29. März 2010

Nach der Abnahme


Am Samstag bin ich aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ich war etwas länger dort als geplant: voraussichtlich sollte ich Mo oder Di (15. oder 16.3.) operiert werden und bereits Fr entlassen werden. Operiert bin tatsächlich schon am Mo worden, aber die Entlassung hat sich dann zwei mal verschoben und so war ich dann 2 Wochen im Krankenhaus.

Mein Knie war nach der OP weniger beweglich als vorher (20° vs. 45° mit TSF). Also bekam ich täglich Physiotherapie und Motorschiene. Leider sind wir ziemlich bald bei den bereits vorher erlangten 45° "stehen" geblieben. Obwohl ich den Anweisungen des Therapeuten wirklich bemüht folgte: "Sie müssen ihrem Knie jetzt 23 Stunden täglich sagen, dass sie es wieder brauchen und daher: abbiegen, abbiegen, abbiegen". Ich lag stundenlang in der Motorschiene, ließ mein Bein brav "hängen" und gab ihm Reize was das Zeug hielt (auch in der Nacht. Da schlafe ich mit einem Polsteraufbau unter dem Knie) - ich hatte ja zum Glück nichts anderes zu tun im Krankenhaus ;-)


Leider stellte sich dann nach einigen Tagen schon heraus, dass die fehlende Beugung bzw. der fehlende Fortgang (bei meinem Pensum sollte doch einige Grade plus werden) nicht etwa an den verkürzten Muskeln und Sehnen lag (die ließen sich ja super dehnen), sondern IM Knie selbst.
Wir können nur Vermutungen anstellen was da los ist, aber verwunderlich ist es natürlich nicht, dass da etwas verklumpt oder verkalkt ist nach bald 9 Monaten....

Next Steps:
Ich bin nun zu Hause und habe auch hier eine Motorschiene bekommen. Ich muss in den nächsten Wochen weiterhin mein maximales Augenmerk auf die Flexion legen. Auch wenn die Aussichten auf einen Fortgang minimal sind (wenn ich nach einigen Stunden Schiene und langsamer Steigerung um ein paar Grade mal 1-2 Stunden pausiere, bin ich sofort wieder "unten" mit den Graden). Aber auch der Reiz am Knochen ist wichtig, damit sich das Material weiter gut verdichten kann.
In 4 Wochen schauen wir dann wieder nach und je nachdem was dann rauskommt, wird dann entweder mal "nur" unter Narkose abgebogen soweit möglich bzw. sehr wahrscheinlich auch nochmal ins Knie rein "geschaut" (z.B: mittels Arthroskopie) und allfälliges Material entfernt.

Leider habe ich zwar von ärztlicher Seite nie gehört "Das wird wieder, ganz sicher, egal wie, aber es wird". Es heißt nur, wir tun dies oder das und wir "schauen"... Aber inzwischen habe ich von einigen Leuten (Schwestern, Physio, Betroffene) schon gehört, dass so ein "Ausputzen" vom Knie schon viel bringt. Hoffen wir also, dass sich "nur" eine Blutung verklumpt hat (oder etwas ähnliches), sodass das wirklich mit einer Arthroskopie behoben werden kann.

Fingers crossed :-)

Mittwoch, 10. März 2010

Risiko Pininfekt vs. Wundenputzen

Dem Wundenputzen möchte ich schon lange einen Artikel widmen.

Das größte Risiko bei dieser Methode sei der sogenannte Pininfekt, heißt es. Mir wurde gesagt, dass ich mit mindestens einem Infekt pro Eintrittsstelle rechnen müsse. Diese Rechnung wurde aber nicht ohne meinen pingeligen Mann gemacht ;-)

Ich habe wie berichtet nach 8,5 Monaten bzw. 37 Wochen keinen einzigen Pininfekt gehabt.
Jeder Mensch, der medizinisch zu tun hat (Hausarzt, Physiotherapeutin, Apotheke, behandelnder Arzt usw.), ist ganz von den Socken, wenn ich sage, dass wir keine derartigen Komplikationen hatten.

Worauf ist das zurückzuführen? Auf absolut pingelige Wundpflege, wie ich meine. Ich kann es zwar mittlerweile nicht mehr aushalten, ohne jedesmal meinen Polster vollzuheulen, aber es zeigt ja auch Wirkung.

Also - Wie macht mein Mann die Wundpflege:
Anfangs, in den ersten Wochen, reichte es, wie es im Krankenhaus gelehrt wurde: Die Pinstellen wurden lediglich mit den Kompressen gereinigt und fertig. Nach einer halben Stunde waren wir fix und fertig mit allem.
Dann wurden die Wunden größer und veränderten sich: Sie "lebten" mehr, es trat mehr Flüssigkeit aus und dadurch bildete sich auch mehr Kruste und die Öffnungen wurden länger, größer, tiefer. Mein Mann meinte, man sah bis zum Knochen. Ich wollte es nicht wissen, also gibt´s davon auch kein Foto.

Wir mussten den Reinigungsvorgang also anpassen und erweitern, um die Dinger sauber zu bekommen. Daraus hat sich dann folgende Vorgehensweise ergeben:

Es gibt 3 Durchgänge:
1. Zuerst befreit mein Mann alle Wunden systematisch von der Kruste. Er hat dazu eine Pinzette aus der Apotheke, die permanent im Alkoholfläschchen aufbewahrt wird, um die Infektionsgefahr zu bannen. Als die Wunden noch sehr groß und tief waren, waren da auch so "Flantschger" drin, die hat er auch rausgeholt damit. Überhaupt achtet er darauf, dass da kein noch so kleines Futzerl irgendwo dranbleibt. Pingelig, wie gesagt... aber gut so. Dieser Durchgang ist für mich der schmerzhafteste. Ich hab manchmal das Gefühl, er reißt mir das Fleisch aus dem Bein. Sicher bin ich inzwischen schon hochsensibilisiert und meine Toleranz ist schon bei Null. Anfangs empfand ich das nicht so schlimm. Andererseits dauert das ja nicht lange. Das ist nur ein Durchgang und im Normalfall sind wir in guten 10 bis 15 Minuten durch mit allen. Ich pack´s halt einfach nicht mehr, das ist alles.

2. Dann putzt er die Wunden mit dem Stieltupfer aus und desinfiziert schonmal ordentlich. Das brennt. Zum Teil höllisch.

3. Jetzt wird jede Wunde bzw. Pinstelle nochmal mit den Mullkompressen mit natürlich Desinfektionmittel darauf fertig gereinigt.

Dann befreit er meinen Oberschenkel noch vom Rest des Reinigungsmittels und dann wird wieder zugemacht. Wir brauchen jetzt ca. 1 Stunde dafür.


Weitere Tipps:

# Desinfektion: Mein Mann zieht sich nicht bloß die Latexhandschuhe an, sondern:
Es wird zuerst das Tischerl mit Desi-Mittel gereinigt, wo dann das Wundenputzzeug raufgelegt wird.
Dann desinfiziert er seine Hände (mit dem Hautdesinfektionsmittel Isozid)
Dann zieht er die Handschuhe an.
Dann desinfiziert er die Handschuhe.
Und erst DANN kommt er mal in meine Nähe.
Man kann sagen was man will, aber schlecht war´s sicher nicht ;-)

# Sogar zum Einschneiden der Kompressen ohne Schlitz (es gibt auch spezielle Schlitzkompressen, aber an manchen Stellen sitzen bei mir ja mehrere Pins aneinander, da müssen wir 2 Schlitze einschneiden) hat er eine eigene Schere, die vorher in Alkohol getränkt wird.

# Man muss danach die Haut abseits der Wunden vom Desinfektionsmittel befreien. Die Haut wird sonst leicht gereizt und es können sich auch Ausschläge bilden. Das macht mein Mann mit Natrium chloratum physiologicum.

# "Wundenputzmittel" (Schleimhaut-Desinfektionsmittel): Wir benutzen hauptsächlich das braune Betaisadona (das brennt zwar wie Hölle aber ich vertrage es besser) und wechseln ab und zu mit dem Octenisept ab. Das ist angenehmer, aber von dem bekomme ich sofort Ausschlag.

# Am Morgen und Vormittag ist man schmerzresistenter. Ganz selten putzen wir morgens/vormittags, da ist das tatsächlich relativ "locker". Leider hat mein Mann aber vor dem Abend meistens keine Zeit und da gibt es schon einen haushohen Unterschied.
Das ist recht interessant, der Körper hat da wirklich so einen Biorhythmus. Wenn man auf´s Körperliche reduziert ist, kommt das ganz groß raus...

# Ich habe in der ganzen Zeit keinen Tropfen Wasser auf die Wunden gelassen.

# Wir haben 3,5 oder 4 Monate jeden Tag geputzt und ab da konsquent jeden zweiten Tag. Komme was wolle. Sogar als er zweimal einen grippalen Infekt hatte, hat er mich geputzt. Also das kann ich gar nicht hoch genug anrechnen...

# Viel Glück allen, die es noch vor sich haben! Es ist machbar!

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Und niemals vergessen: Jeder Fall ist ein eigener Fall. Ich hab auch schon davon gehört, dass manche gar nicht putzen mussten. Und auch, dass manche duschen, hab ich gehört.

Resümee nach 8 1/2 Monaten mit dem TSF


Es ist soweit, am Sonntag check ich ins Krankenhaus ein. Dann geht ein ganz eigener und besonderer Lebensabschnitt zu Ende. 37 Wochen...

Ich komm grad von einem Plauscherl mit den MitarbeiterInnen "meiner" Apotheke. Ja, man bekommt ja zu seiner Apotheke, zu seinem Hausarzt, aber auch zu anderen Menschen eine ganz andere Beziehung als vorher. Auch in meiner Nachbarschaft bin ich nun bekannt. V.a. unter den alten Frauen, denen ich bei meinen vormittäglichen Spaziergängen so über den Weg gelaufen bin (alte Männer gehen offenbar nicht raus...?!). So viel auf der Straße angesprochen wie jetzt bin ich nur mit meinem Sohn geworden, als er noch im Babyalter war. Jede Mutter kennt das wohl.

Viel ist geschehen in dieser Zeit. Viel hab ich erfahren und viel hab ich hoffentlich nicht nur kurzfristig gelernt. Ich hoffe, ich kann einige der Lernerfahrungen mitnehmen in mein neues Leben.
Z.b. jene der Langsamkeit. Langsam ist definitv besser und hat mir sehr gut getan. Oder ein intensiveres "bei sich" sein. Es gibt ja so viel Körper und Beschränkheit in dieser Zeit - aber eben dadurch auch mehr "ich". Oder "selbst". Oder so. Ich wünsche es jedem Menschen, einmal so auf sich selbst zurückgeworfen zu sein. Und ich wünsche jedem positive Lernerfahrungen damit und v.a. auch langfristige Lernerfahrungen.
Ich hab ja eine Weile gebraucht, bis ich´s "geschnallt" habe. Dass der Körper kein Ding ist, das funktionieren muss. Schon gar nicht für irgendeinen Job. Oder andere... Der Körper gibt das Tempo vor. Wenn der seine Bedürfnisse nicht gestillt bekommt, dann kann der alles blockieren. Und du hast dich gefälligst danach zu richten. Sonst geht´s dir nur noch schlechter.
Man wird auch unheimlich verwundbar wenn man verwundet ist. Wenn die Wunden wie Löcher bis in den Knochen reichen, ist nicht nur das Fleisch offen wie ein Sieb. Man IST offen. Und ausgeliefert. Dem "Außen"... Lässt sich schwer beschreiben. Klingt vielleicht esoterisch, aber ich bin mir sicher, manche dieser Leser werden wissen was ich meine.

Na jedenfalls. Eigentlich sollte das ein Rückblick und ein Resümee werden. Aber auf den Punkt gebracht lässt sich sagen:
Macht eurem Körper keinen Stress. Hier geht es nur um Heilung und nicht um "wieder funktionieren". Vergesst "Pläne". Oder Deadlines. Überhaupt alles, wo euer Körper zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwas "muss". Wenn´s geht, is gut, wenn nicht, dann eben später. Du kannst nichts planen. Es ist wie es ist und du musst damit leben. Und es ist gut, das mal zu erfahren.

Achteinhalb Monate... War schon lang. Aber war ok. Es ist zwar jetzt definitiv das Limit erreicht und ich freu mich schon unheimlich auf viele Dinge, die ich entbehren musste. Aber es ging.
Man darf nur nicht den Fehler machen und glauben, man kann da und da wieder arbeiten und funktionieren. Das funktioniert definitiv nicht. Das war auch so der größte Lerneffekt für mich und an dem hab ich auch am meisten Stress reingebracht. Aber inzwischen hab ich´s langsam geschnallt und ich weiß, dass ich NICHT weiß, wie es dann weitergehen wird und wie lange dann noch alles dauern wird. Das ist ja schon ein Schritt :-)

Ich werde also natürlich weiter berichten wie das so läuft. Der Blog ist zwar defintiv anders geworden als ich vorhatte (also keine reine Dokumentation), aber so ist das eben.

DU KANNST NICHTS PLANEN ;-)
ES KOMMT DEFINITIV ANDERS ALS DU GLAUBST :-)
Und : ES HAT AUCH GANZ VIEL POSITIVES POTENTIAL :-)

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Ahja, zum medizinischen Verlauf: Again: Es gab KEINERLEI Komplikationen mit Wundinfekten oder dgl. (!!!)

Vielleicht mach ich ja nochmal einen Atrikel zur Wundpflege. Ich hatte ja noch so viele Artikel vor........

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Freitag, 26. Februar 2010

Wie geht´s mir nun

Also am Dienstag gab´s ja die alles verändernde Nachricht. Seitdem ist die Welt nicht mehr die sie war. Alles ist anders. Es gibt ein Ende. E s w i r d e i n E n d e g e b e n . Nicht zu fassen. Dass ess ein Ende geben wird und dass ich so lange ausgehalten habe.
Aber der Reihe nach.
Seit dem Dienstag wirbelt´s mich nur hin und her emotional. Freude weicht Erleichterungstränen weichen Fassungslosigkeit weicht Freude weicht....
Also hocheuphorisch und dann wieder Tränen usw. Bin auch unheimlich mitteilungsbedüftig, seit Dienstag wird auf Facebook gepostet was das Zeug hält. Bisher hab ich da ja nix rauslassen und alle hat´s gewundert, warum ich denn dieses "tolle" "Kommuniaktions"-Tool nicht nutze, um mit der Welt in Kontakt zu bleiben usw. War aber nicht so ganz meins... Naja. Bin also seeeeehr unruhig und aufgewühlt.......

Und da die OP näher rückt, wo ich wieder betäubt werden soll (es war mal die Rede von Vollnarkose), kommt die Angst davor. Weil ich ja doch recht viel Mophium gebraucht habe und nicht weiß, wie das dann gegenwirkt...
Also versuche ich wieder mal runterzukommen. Wow. Hab ich eben dieses Vokabel erwähnt?! Ok. Nehmen wir´s beim Namen. Vielleicht bin ich schon zu sehr daran gewöhnt.
Ich halbiere also nun seit 3 Nächten die Abenddosis. Und habe auch dementsprechende Wundschmerzen in der Nacht. Und das Emotionale ist dadurch vermutlich nochmal verstärkt. Und die Schmerzen verstärken dann wieder die (negativen) Emotionen usw. Also es wirbelt mich. Aber die Freude ist enorm und ich kann´s wirklich auch kaum fassen das Ganze. Es wird mir jetzt erst einiges bewusst und dann filmen natürlich nochmal diese Monate vor mir her und vieles kommt hoch usw. Dann kommt mir erst, was ich da gemacht und geschafft hab auch und es fällt

ganz

viel

Druck

ab......................................................................................................................................... ................................................................................................................................................
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Dienstag, 23. Februar 2010

ES KOMMT R A U S !

Also heute war ja der dritte Kontrolltermin in Reihe, für den es hieß, dass wir da die Abnahme-OP ausmachen. Bis jetzt wurde das ja 2x verschoben. Jedesmal "Warten wir noch 1 Monat". Nach dem letzten Mal war ich ziemlich am Sand. Heute bin ich also ziemlich zähneklappernd hingegangen, weil ich keinen dritten Aufschub akzeptieren wollte.
Habe die Nacht nicht geschlafen und diesmal schon vorher vor lauter Angst und Nervosität losgeheult und wollte gar nicht reingehen. Noch ein Aufschub wär einfach nicht drin gewesen.

AAABER, es ist ja alles GUT! Die Röntgenbilder sind supertraum, der Knochen hat aufgeschlossen, wir konnten es kaum glauben! :-)

Fotoapparat haben wir leider komplett vergessen diesmal, aber wird dann schon mal nachgeholt.

Ich habe nun zu 99% den Aufnahmetermin: Sonntag, 14. März 2010.

Warum nur zu 99%? Weil noch der Oberboss vom Krankenhaus sein Hackerl draufmachen muss. Das erfahren wir in den nächsten Tagen per Post, wenn die offizielle Ladung ins Haus flattert. Es ist davon auszugehen, dass das fix ist. Bett ist auch schon reserviert :-)

Wenn ich nicht 2 Kilo Metall am Bein hätte, würd ich glatt Luftsprünge machen :-)
Noch 11 mal Wundenputzen!! Yipiieh!


Ist das mal ein Happy Face oder nicht?! ;-)

Dienstag, 9. Februar 2010

Verlauf der Beweglichkeit

Bis ich wieder mal die neuesten Röntgenbilder (vom 28.1.) usw. von der Kamera meines Mannes bekomme (der sie dauernd in der Firma vergisst) erzähl ich mal vom Mobilitätsverlauf bis jetzt.
Ich hab mir gerade meine gespeicherten Links von vor der OP angesehen und mich erinnert, wie unsicher man ist und wieviel Angst man bewältigen muss.

Ich war lediglich 10 Tage nach der OP im Krankenhaus. Den Knochen haben sie mit einem Meisel durchtrennt. D.h. der Schnitt ist relativ klein, ca. 2 cm). Warum ich so schnell "auf den Beinen" war, weiß ich nicht. Ich hab von einer mit einem monolateralen Fix im US gelesen, die war ganze 5 Wochen im Krankenhaus... Keine Ahnung, was die mit der angestellt haben, das sollte eigentlich wesentlich besser gehen.
Hier ein Foto, wo man den Schnitt sieht:


Jedenfalls, bei mir war es konkret so:
Die ersten 3 Tage nach der Op sind die allerallerschmerzhaftesten. Der Knochen wird total durchgeschnitten und bis sich der Knochenmarkskanal wieder schließt, muss man was aushalten. Wobei es auch unterschiedliche Schmerztherapien gibt. Ich hab das Morphium nur 1 mal in Form einer Spritze bekommen. Aber da geht auch wirklich GAR nichts mehr. Sonst nehm ich ja Tabletten, auch schon im Krankenhaus. Aber da gibt es eben eine Basistherapie und dann noch die "Rescues" bei Bedarf. Da ich zu den vorsichtigen Menschen in Bezug auf Medikamentengebrauch gehöre, hab ich das in den ersten Tagen oft übersehen, die zu nehmen. Man kennt ja einerseits die verschiedenen Schmerzen noch nicht und glaubt, es geht noch, es geht noch und ehe man sich´s versieht, ist der kritische Punkt überschritten, wo man mit den Tabs nichts mehr machen kann. Man sollte also sofort bei einem Anstieg der Schmerzen reagieren.
Am Anfang ist also der größte Schmerz der Knochenschmerz. Der ist sehr schwer und tief. Man bekommt das Gefühl, also ob eine Tonne Gewicht am Bein wäre und das Bein jeden Moment explodieren könnte oder auch als ob das Bein rausgerissen wird. Geht ja auch ein Haufen Zeugs durch die Muskeln durch und das arbeitet anfangs alles ordentlich.

Aber zurück zum Thema. Das Bein ist in keiner Weise zu bewegen. Kein Milimeter von selber. Ok, die Zehen und die Fußschaufel - immerhin ;-) Natürlich ist das schon etwas furchteinflößend - was ist da los? Wird das jemals wieder? -> Das dauert einige Wochen, bis sich wieder etwas "regt", also bis man das Bein wieder ein paar cm von selber hochheben kann. Nicht verzweifeln, es kommt schon!
Und jede Bewegung (unter Hilfestellung) tut weh. Klo gibt´s erstmal nur im Bett auf der Schüssel und das tut auch sehr weh. Also alles außer waagrecht ist sehr schmerzhaft anfangs.
Nach ein paar Tagen geht´s schon mit dem Rolli auf´s Klo und man muss halt Zähne zusammenbeißen. Mir war das aber lieber als weiterhin die Schüssel im Bett ;-)
Achtung: Bitte immer bedenken, dass wir hier von Fixateur im Oberschenkel sprechen. Bei Indikation im Unterschenkel ist das nicht so, die können ganz normal abbiegen!

In den ersten Wochen bzw. Monaten - zumindest während der Distraktionsphase - geht auch nicht viel mehr. Das ist auch nach wie vor eine schmerzhafte Phase, aber so schlimm wie im Krankenhaus wird´s nicht mehr. Während dieser Zeit geht´s mal rauf, mal runter. Jedenfalls aber noch nicht kontinuierlich nur hinauf, weil der Drehprozess eine hoch sensitive Phase darstellt, in der der Körper nicht zur Ruhe kommt und heilen darf. Auch mental ist man hier am meisten gefordert. Weil es einfach nicht anfängt, aufwärts zu gehen - und dabei die unwissende Umwelt dann solche Sprüche von sich gibt wie: "Jetzt kann´s ja nur mehr aufwärts gehen, die OP ist ja vorbei.". Viel was Schlimmeres kann man dir in der Situation eigentlich nicht sagen. >-(

Aber gut, man ist ja auch auf den Medikamenten. Ich frag mich manchmal schon, wie ich das ausgehalten habe, aber es geht wenn man drin steckt. Dafür war damals die Wundpflege noch nicht so schlimm. Die macht mir jetzt mehr zu schaffen, dafür geht alles andere schon ganz gut.

Danach geht´s dann aber jedenfalls Step by Step und langsam, aber sicher bergauf. Langsam, wie gesagt, aber sicher. Das Bein kann sich allmählich schon selber halten und das schafft schon viel mehr Lebensraum. Ich bin vorher nur ins Bett gekommen, weil die Einstiegsprozedur viel Platz brauchte ;-) Hier ein Kurzvideo dazu. Auf die Couch im Wohn-Esszimmer kam ich in den ersten 3 Monaten nicht, da hätten wir umstellen müssen und es war ja eh schon alles zusammen genug "Umstellung".



Aber ich war ja "zach" und habe nach gerade mal 2,5 Wochen nach der OP schon meinen ersten Ausflug gemacht: 2 Stockwerke runter und ca. knappe 100 Meter! In einer Stunde war das schon machbar ;-))



Wenn dann mit der Zeit der Knochen wächst und die Muskeln wieder etwas beweglicher werden, kann man auch schon etwas belasten und langsam, aber sicher geht dann zumindest der Knochenschmerz mal runter. Und durch die Wiedererlangung von zumindest einem Minimum an Elastizität tun auch andere Bewgungen nicht mehr so weh. Man kann sich z.B. die Socken selber anziehen, weil das nicht mehr so weh tut. Oder man fängt an, auf Stühlen zu sitzen - zuerst nur zum Essen, dann hin und wieder auch mal so (das tat ja anfangs auch furchtbar weh. Man glaubt nicht, an was die OS-Muskeln allem beteiligt sind!)
Bei Stehen und Gehen wird man auch beweglicher, erlangt mehr Radius, kann immer mehr Dinge tun.
Ich hab die größte Freude gehabt, wenn ich selber ein bisschen Wäsche aufgehängt habe, Geschirrspüler geräumt und all das, wo man quasi "am Fleck" was machen kann.
Auch regelmäßiges Spazieren gehen ist da ganz wichtig. Für Körper und Seele...

Durch die allmähliche Gewöhnung an die Medikamente ist man auch nicht mehr sooo "paniert", der Kreislauf erholt sich, man kann beginnen, "aufzubauen".

Ich hatte 2 Monate Distraktionsphase. Nach 5 Monaten, bzw. im 6. Monat (Dezember) konnte ich beginnen, immer mehr Gewicht auf das Bein zu lassen und ich hab dann auch trainiert, nur 1 Krücke zu benutzen. Je mehr Belastung, umso besser für´s Knochenwachstum und ich hab getan, was ging.

Anfang Dezember habe ich sogar das erste Mal gekocht. Da kam auch die Physio endlich dazu und der Knochen ist ja auch immer dichter geworden, also ab da ging´s wirklich ganz gut bergauf. Auch den Kreislauf konnte ich dann mehr fordern. Wäre nicht das Wundenputzen gewesen, hätte ich (fast) uneingeschränkt die Zeit meines Krankenstandes für mich nutzen können ;-)
Leider hat dann ja meine Kollegin gekündigt und da man doch recht instabil in allem ist, hat mich das dann zusätzlich belastet. Und belastbar ist man halt leider gar nicht.

Nun habe ich bald 7,5 Monate hinter mir und bin schon recht mobil. Zwar zu 99% zu Hause (es hat seit Wochen Schnee und ich gehe nur um´s Eck zur Physiotherapie raus), aber da kann ich schon alles machen. Ich befinde mich ja auch im Endspurt und beschäftige mich nun mit Muskelaufbau (das hat im Moment sogar den Vorrang vor Knie-abbiegen). Nach 7 Monaten tut sich da schon was an Abbau und bevor ich das Ding runterbekomme, sollte ich wieder ein bisschen eigene Stabilität erlangen.

Leider haben wir nach den ersten Wochen der Gewöhnung an das neue Leben nicht mehr viel dokumentiert - es gibt also über diesen Verlauf leider keine kontinuierlichen Foto- und Filmdokumente. Und wenn ich meinen Sohn z.b. bitte, meint der nur: "Hast du nicht eh schon genug Fotos? *Grummelgrummel*"... jaja... Es sind auch alle froh, dass sie mir nicht mehr bei jedem Handgriff helfen müssen. Da geht ja in den ersten Monaten wirklich gar nichts - also ohne Hilfe geht´s absolut nicht. Aber mit der Zeit kann man dann schon damit leben. "Selber" bzw. eigenständig. Sofern man nicht einkaufen muss ;-)

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So, ich hoffe, das gibt ein bisschen einen Eindruck. Es ist ja sehr schwierig, alles zu beschreiben. In meinem Kopf ist viel mehr, und ich merke, dass ich zwar auch viel herumschreibe, aber auch nicht sehr effizient. Also die Medikamente wirken natürlich nach wie vor, auch wenn ich schon sehr daran gewöhnt bin... Aber an manchen Dingen merkt man es dann doch wieder recht deutlich ;-)