Alle, die sich mit einem allfälligen Eingriff auseinandersetzen, haben sicher auch schon von den diversen Risiken gehört, die da u.a. sind:
Pininfekte, lockere Schrauben, kein richtiges Knochenwachstum/Pseudarthrosen, das Alter usw.
Alle, denen solche "Geistergeschichten" schon untergekommen sind, kann ich beruhigen: Ich hatte kein einziges medizinisches Problem - in dieser Art zumindest ;-)
Es war zwar öfters mal, dass die Eintrittsstellen ein bisserl entzündet waren, aber nie so, dass es wirklich ein Pininfekt gewesen wäre. Auch war nie eine Schraube locker (zumindest vom Gerät..) oder sonst sowas. Es gibt ja Geschichten, wo die Pins so locker sind, dass man sie permanent festschrauben muss oder man überhaupt einen weiteren Eingriff braucht für Umsetzungen usw.
Meine medizinischen Probleme waren eher die fehlende Beugung, das langsamere Knochenwachstum (womit ich aber rechnen hätte müssen) und die Nebenwirkungen der Medikamente. Das gröbere Problem bei meinem Eingriff war also eigentlich die Beugung und die hat dann auch dementsprechend intensive Aufbauarbeit gebraucht- und jetzt hab ich halt gute 130° und da ich nicht mehr mag, wird das wohl eher so bleiben... aber damit kann ich leben.
Bzgl. Alter: Ich war zum Zeitpunkt des Eingriffs 34 und wog ca. 54kg bei 165cm und kann nicht sagen, dass das jetzt ein Problem gewesen wäre.
Rauchen: Sorgen gemacht hab ich mir im Vorfeld aber auch darum, dass ich bereits mit 13 zum Rauchen angefangen habe - was ja auch tödlich ist für gutes Knochenwachstum. Aber da hab ich auch die Kurve gekriegt, es war kein Problem, ich hab allerdings sofort bei Entschlussfassung zur OP, also gute 5 Monate vor dem Eingriff damit aufgehört - und bis jetzt auch nicht wieder damit angefangen. Bringt´s ja auch nicht so wirklich ;-)
Was aber schon relevant ist: Sofern irgendwie mit den Lebensumständen vereinbar, sollte man sowas schon so früh als möglich machen - nicht nur wegen dem Knochenwachstum. Sondern man verliert ja so viel Lebenszeit. Zuerst, weil man jahrelang mit Schmerzen lebt und gleichzeitig nicht viel machen kann und wenn man das dann so spät macht, sind gewisse Läsionen halt auch nicht mehr wirklich gut zu machen, weil eine gewisse Altersabsnützung ist ja auch dabei. Und 100% gut wird mein Knie wohl nie mehr so richtig, aber wenn ich das ein paar Jahre früher machen hätte können, wäre einerseits mein Leben etwas bewegter und auch schmerzfreier verlaufen und andererseits wäre das Knie heute wohl auch besser beinander...
Läsionen vor dem Eingriff: In meinem Knie waren schon Jahre zuvor und so auch zum Zeitpuntk des Eingriffs ein paar Dinge nicht ganz in Ordnung: Meniskuseinriss, Bakerzyste 7cm und noch ein paar Sachen. Ich hatte ein bisserl Schiss auch deswegen, weil es ja dauernd weh tat und immer irgendwelche Entzündungen drin waren. Aber das war ja schließlich der Grund, weshalb ich´s gemacht habe. Jetzt klopft´s und sticht´s schon auch manchmal noch, aber ich versuch das nicht zu ernst zu nehmen. Machen kann ich ja alles was mir taugt und manchmal hab´ ich sogar das Gefühl, als ob´s mit Bewegung und Belastung sogar besser wird. In die Knie zwingen mag ich mich zumindest nicht mehr lassen davon ;-)
Nicht-medizinische Herausforderungen: Die gibt es schon eher. Schmerzen, Behinderung, Einschränkung, Hüttenkoller, Depressivität, Angst, Sorgen, Einsamkeit usw. Da muss eh jeder für sich einen Weg finden... aber am Ende kann man aber auch sehr viel daraus gewinnen...!
Vorbeugende Maßnahmen:
Dem Pininfekt kann man mit pinggeliger Wundpflege schon was entgegensetzen, die war ja bei uns sehr ausgeprägt (und dementsprechend schmerzhaft!!) - aber auch erfolgreich. Es war schlimm, aber es hat sich ausgezahlt. Weil wenn du einen zünftigen Infekt hast, muss der Pin oder Draht ja raus und schlimmstenfalls ein neuer eingesetzt werden - das heißt: Zwischen-OP. Also Zähne zusammenbeißen und durch.
Außerdem hab ich während der 37 Wochen keinen einzigen Tropfen Wasser auch nur in die Nähe meine Wunden kommen lassen. Es gibt auch gegenteilige Aussagen, wonach man damit schon duschen kann, aber ich hab´s nicht gemacht.
Für´s Knochenwachstum: Rauchen einstellen, Kalzium und Vitamin D (Rindfleisch) zu sich nehmen.
Lockere Pins: Keine Ahnung. Vielleicht auf eine gute OP setzen?!
Seltsam, aber jedenfalls beachtenswert:
Vor (und auch nach) meiner OP haben mir verschiedene medizinische Fachleute gesagt, dass sie seit Jahren beobachten, dass es für den Erfolg einer OP sehr wichtig sei, wie der Patient in diese "hinein geht". Auch die, die sich von der "Eso-Ecke" explizit abgrenzten, haben das gesagt ;-)
Ich hab daher in den Monaten vorher bewusst versucht, ein positives Bild und eine positive Stimmung zu dem Ganzen zu erzeugen. Und meinen Operateuren hab ich innerlich gewünscht, dass es ihnen gut geht, dass sie gut drauf und gut ausgeschlafen sind und das dann ganz super machen alles. Und siehe da: Ich hatte tatsächlich keinerlei ernsthafte Komplikationen, die OP ist supergut verlaufen und alles ist gut gegangen :-)
Verlaufsprotokoll meiner Beinkorrektur im linken Oberschenkel in mehreren Achsen: Geradestellung des X-Knies um 6° plus Beinverlängerung am Oberschenkel um 3,5 cm. Wie geht das: Mit dem Taylor Spatial Frame = externer Ringfixateur, der mehrdimensionale Korrekturen graduell ermöglicht. OP: 30.Juni 2009, Abnahme: 15. März 2010 = 37 Wochen. Drehtage netto: 44. Fragen und Rückmeldungen gerne an beinkorrektur@gmx-topmail.de
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Freitag, 29. Juli 2011
Mittwoch, 10. März 2010
Risiko Pininfekt vs. Wundenputzen
Dem Wundenputzen möchte ich schon lange einen Artikel widmen.
Das größte Risiko bei dieser Methode sei der sogenannte Pininfekt, heißt es. Mir wurde gesagt, dass ich mit mindestens einem Infekt pro Eintrittsstelle rechnen müsse. Diese Rechnung wurde aber nicht ohne meinen pingeligen Mann gemacht ;-)
Ich habe wie berichtet nach 8,5 Monaten bzw. 37 Wochen keinen einzigen Pininfekt gehabt.
Jeder Mensch, der medizinisch zu tun hat (Hausarzt, Physiotherapeutin, Apotheke, behandelnder Arzt usw.), ist ganz von den Socken, wenn ich sage, dass wir keine derartigen Komplikationen hatten.
Worauf ist das zurückzuführen? Auf absolut pingelige Wundpflege, wie ich meine. Ich kann es zwar mittlerweile nicht mehr aushalten, ohne jedesmal meinen Polster vollzuheulen, aber es zeigt ja auch Wirkung.
Also - Wie macht mein Mann die Wundpflege:
Anfangs, in den ersten Wochen, reichte es, wie es im Krankenhaus gelehrt wurde: Die Pinstellen wurden lediglich mit den Kompressen gereinigt und fertig. Nach einer halben Stunde waren wir fix und fertig mit allem.
Dann wurden die Wunden größer und veränderten sich: Sie "lebten" mehr, es trat mehr Flüssigkeit aus und dadurch bildete sich auch mehr Kruste und die Öffnungen wurden länger, größer, tiefer. Mein Mann meinte, man sah bis zum Knochen. Ich wollte es nicht wissen, also gibt´s davon auch kein Foto.
Wir mussten den Reinigungsvorgang also anpassen und erweitern, um die Dinger sauber zu bekommen. Daraus hat sich dann folgende Vorgehensweise ergeben:
Es gibt 3 Durchgänge:
1. Zuerst befreit mein Mann alle Wunden systematisch von der Kruste. Er hat dazu eine Pinzette aus der Apotheke, die permanent im Alkoholfläschchen aufbewahrt wird, um die Infektionsgefahr zu bannen. Als die Wunden noch sehr groß und tief waren, waren da auch so "Flantschger" drin, die hat er auch rausgeholt damit. Überhaupt achtet er darauf, dass da kein noch so kleines Futzerl irgendwo dranbleibt. Pingelig, wie gesagt... aber gut so. Dieser Durchgang ist für mich der schmerzhafteste. Ich hab manchmal das Gefühl, er reißt mir das Fleisch aus dem Bein. Sicher bin ich inzwischen schon hochsensibilisiert und meine Toleranz ist schon bei Null. Anfangs empfand ich das nicht so schlimm. Andererseits dauert das ja nicht lange. Das ist nur ein Durchgang und im Normalfall sind wir in guten 10 bis 15 Minuten durch mit allen. Ich pack´s halt einfach nicht mehr, das ist alles.
2. Dann putzt er die Wunden mit dem Stieltupfer aus und desinfiziert schonmal ordentlich. Das brennt. Zum Teil höllisch.
3. Jetzt wird jede Wunde bzw. Pinstelle nochmal mit den Mullkompressen mit natürlich Desinfektionmittel darauf fertig gereinigt.
Dann befreit er meinen Oberschenkel noch vom Rest des Reinigungsmittels und dann wird wieder zugemacht. Wir brauchen jetzt ca. 1 Stunde dafür.
Weitere Tipps:
# Desinfektion: Mein Mann zieht sich nicht bloß die Latexhandschuhe an, sondern:
Es wird zuerst das Tischerl mit Desi-Mittel gereinigt, wo dann das Wundenputzzeug raufgelegt wird.
Dann desinfiziert er seine Hände (mit dem Hautdesinfektionsmittel Isozid)
Dann zieht er die Handschuhe an.
Dann desinfiziert er die Handschuhe.
Und erst DANN kommt er mal in meine Nähe.
Man kann sagen was man will, aber schlecht war´s sicher nicht ;-)
# Sogar zum Einschneiden der Kompressen ohne Schlitz (es gibt auch spezielle Schlitzkompressen, aber an manchen Stellen sitzen bei mir ja mehrere Pins aneinander, da müssen wir 2 Schlitze einschneiden) hat er eine eigene Schere, die vorher in Alkohol getränkt wird.
# Man muss danach die Haut abseits der Wunden vom Desinfektionsmittel befreien. Die Haut wird sonst leicht gereizt und es können sich auch Ausschläge bilden. Das macht mein Mann mit Natrium chloratum physiologicum.
# "Wundenputzmittel" (Schleimhaut-Desinfektionsmittel): Wir benutzen hauptsächlich das braune Betaisadona (das brennt zwar wie Hölle aber ich vertrage es besser) und wechseln ab und zu mit dem Octenisept ab. Das ist angenehmer, aber von dem bekomme ich sofort Ausschlag.
# Am Morgen und Vormittag ist man schmerzresistenter. Ganz selten putzen wir morgens/vormittags, da ist das tatsächlich relativ "locker". Leider hat mein Mann aber vor dem Abend meistens keine Zeit und da gibt es schon einen haushohen Unterschied.
Das ist recht interessant, der Körper hat da wirklich so einen Biorhythmus. Wenn man auf´s Körperliche reduziert ist, kommt das ganz groß raus...
# Ich habe in der ganzen Zeit keinen Tropfen Wasser auf die Wunden gelassen.
# Wir haben 3,5 oder 4 Monate jeden Tag geputzt und ab da konsquent jeden zweiten Tag. Komme was wolle. Sogar als er zweimal einen grippalen Infekt hatte, hat er mich geputzt. Also das kann ich gar nicht hoch genug anrechnen...
# Viel Glück allen, die es noch vor sich haben! Es ist machbar!
*******************************************************************************
Und niemals vergessen: Jeder Fall ist ein eigener Fall. Ich hab auch schon davon gehört, dass manche gar nicht putzen mussten. Und auch, dass manche duschen, hab ich gehört.
Das größte Risiko bei dieser Methode sei der sogenannte Pininfekt, heißt es. Mir wurde gesagt, dass ich mit mindestens einem Infekt pro Eintrittsstelle rechnen müsse. Diese Rechnung wurde aber nicht ohne meinen pingeligen Mann gemacht ;-)
Ich habe wie berichtet nach 8,5 Monaten bzw. 37 Wochen keinen einzigen Pininfekt gehabt.
Jeder Mensch, der medizinisch zu tun hat (Hausarzt, Physiotherapeutin, Apotheke, behandelnder Arzt usw.), ist ganz von den Socken, wenn ich sage, dass wir keine derartigen Komplikationen hatten.
Worauf ist das zurückzuführen? Auf absolut pingelige Wundpflege, wie ich meine. Ich kann es zwar mittlerweile nicht mehr aushalten, ohne jedesmal meinen Polster vollzuheulen, aber es zeigt ja auch Wirkung.
Also - Wie macht mein Mann die Wundpflege:
Anfangs, in den ersten Wochen, reichte es, wie es im Krankenhaus gelehrt wurde: Die Pinstellen wurden lediglich mit den Kompressen gereinigt und fertig. Nach einer halben Stunde waren wir fix und fertig mit allem.
Dann wurden die Wunden größer und veränderten sich: Sie "lebten" mehr, es trat mehr Flüssigkeit aus und dadurch bildete sich auch mehr Kruste und die Öffnungen wurden länger, größer, tiefer. Mein Mann meinte, man sah bis zum Knochen. Ich wollte es nicht wissen, also gibt´s davon auch kein Foto.
Wir mussten den Reinigungsvorgang also anpassen und erweitern, um die Dinger sauber zu bekommen. Daraus hat sich dann folgende Vorgehensweise ergeben:
Es gibt 3 Durchgänge:
1. Zuerst befreit mein Mann alle Wunden systematisch von der Kruste. Er hat dazu eine Pinzette aus der Apotheke, die permanent im Alkoholfläschchen aufbewahrt wird, um die Infektionsgefahr zu bannen. Als die Wunden noch sehr groß und tief waren, waren da auch so "Flantschger" drin, die hat er auch rausgeholt damit. Überhaupt achtet er darauf, dass da kein noch so kleines Futzerl irgendwo dranbleibt. Pingelig, wie gesagt... aber gut so. Dieser Durchgang ist für mich der schmerzhafteste. Ich hab manchmal das Gefühl, er reißt mir das Fleisch aus dem Bein. Sicher bin ich inzwischen schon hochsensibilisiert und meine Toleranz ist schon bei Null. Anfangs empfand ich das nicht so schlimm. Andererseits dauert das ja nicht lange. Das ist nur ein Durchgang und im Normalfall sind wir in guten 10 bis 15 Minuten durch mit allen. Ich pack´s halt einfach nicht mehr, das ist alles.
2. Dann putzt er die Wunden mit dem Stieltupfer aus und desinfiziert schonmal ordentlich. Das brennt. Zum Teil höllisch.
3. Jetzt wird jede Wunde bzw. Pinstelle nochmal mit den Mullkompressen mit natürlich Desinfektionmittel darauf fertig gereinigt.
Dann befreit er meinen Oberschenkel noch vom Rest des Reinigungsmittels und dann wird wieder zugemacht. Wir brauchen jetzt ca. 1 Stunde dafür.
Weitere Tipps:
# Desinfektion: Mein Mann zieht sich nicht bloß die Latexhandschuhe an, sondern:
Es wird zuerst das Tischerl mit Desi-Mittel gereinigt, wo dann das Wundenputzzeug raufgelegt wird.
Dann desinfiziert er seine Hände (mit dem Hautdesinfektionsmittel Isozid)
Dann zieht er die Handschuhe an.
Dann desinfiziert er die Handschuhe.
Und erst DANN kommt er mal in meine Nähe.
Man kann sagen was man will, aber schlecht war´s sicher nicht ;-)
# Sogar zum Einschneiden der Kompressen ohne Schlitz (es gibt auch spezielle Schlitzkompressen, aber an manchen Stellen sitzen bei mir ja mehrere Pins aneinander, da müssen wir 2 Schlitze einschneiden) hat er eine eigene Schere, die vorher in Alkohol getränkt wird.
# Man muss danach die Haut abseits der Wunden vom Desinfektionsmittel befreien. Die Haut wird sonst leicht gereizt und es können sich auch Ausschläge bilden. Das macht mein Mann mit Natrium chloratum physiologicum.
# "Wundenputzmittel" (Schleimhaut-Desinfektionsmittel): Wir benutzen hauptsächlich das braune Betaisadona (das brennt zwar wie Hölle aber ich vertrage es besser) und wechseln ab und zu mit dem Octenisept ab. Das ist angenehmer, aber von dem bekomme ich sofort Ausschlag.
# Am Morgen und Vormittag ist man schmerzresistenter. Ganz selten putzen wir morgens/vormittags, da ist das tatsächlich relativ "locker". Leider hat mein Mann aber vor dem Abend meistens keine Zeit und da gibt es schon einen haushohen Unterschied.
Das ist recht interessant, der Körper hat da wirklich so einen Biorhythmus. Wenn man auf´s Körperliche reduziert ist, kommt das ganz groß raus...
# Ich habe in der ganzen Zeit keinen Tropfen Wasser auf die Wunden gelassen.
# Wir haben 3,5 oder 4 Monate jeden Tag geputzt und ab da konsquent jeden zweiten Tag. Komme was wolle. Sogar als er zweimal einen grippalen Infekt hatte, hat er mich geputzt. Also das kann ich gar nicht hoch genug anrechnen...
# Viel Glück allen, die es noch vor sich haben! Es ist machbar!
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Und niemals vergessen: Jeder Fall ist ein eigener Fall. Ich hab auch schon davon gehört, dass manche gar nicht putzen mussten. Und auch, dass manche duschen, hab ich gehört.
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